Friedrich August Calau: Der Opernplatz, um 1810, Aquatinta Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Friedrich Leopold Reichsfreiherr von Schrötter, Minister beim Generaldirektorium

Geb. 1. Februar 1743 auf Gut Wohnsdorf zwischen Friedland und Allenburg (Ostpreußen),
gest. 30. Juni 1815 in Berlin.

I. Genealogie

Vater:

Friedrich Wilhelm (gest. 1790)

Mutter:

Helene Barbara, geb. v. d. Gröben (gest. 1773)

Bruder:

Karl Wilhelm (1748-1819), Chef-Präsident des Oberlandesgerichts von Ostpreußen

II. Adressen in Berlin

1790f.

Haus Carl Wilhelm Nöldechens (Direktor beim Salz-Büro), am Potsdamer Tor

ab 1798ff.

eigenes Haus, Neue Friedrichstraße, Ecke zwischen der großen Pommeranzen- und Neuen Friedrichsbrücke

1800

Ecke Behren- / Charlottenstraße Nr. 46

1801

Behrenstraße 66

III. Teilnahme an Formen bürgerlicher Öffentlichkeit

  • Mitgliedschaft in der Freimaurerloge "Zu den drei Kronen"
  • Mitgliedschaft im Rosenkreuzerorden (1782-1786)
  • Veranstaltung von Liebhaberkonzerten
  • Nach der Napoleonischen Besatzung ist v. Schrötters Haus in Berlin Ort wissenschaftlicher und politischer Diskussionsrunden
  • Mit seiner Frau Gast im Salon Elisabeth v. Stägemanns. Der Salon bestand etwa zwischen 1810 und 1810; zu den Gästen zählten vornehmlich Beamte, Gelehrte und Künstler, wenige Wirtschaftsbürger
  • Gast im Salon Sophie Sanders. Der Salon wurde geführt etwa von 1800 bis 1810; zu den Gästen zählten neben zahlreichen Schriftstellern Gelehrte und Beamte
  • Bekanntschaft mit Königsberger Gelehrten (u. a. Chr. Kraus) und führenden Berliner Aufklärern (u. a. Biester, Zöllner, Feßler)

IV. Kurzbiographie

1750er

Unterricht durch Privatlehrer.

1756

Eintritt in das Dragonerregiment von Schorlemmer; Teilnahme am Siebenjährigen Krieg als Fähnrich und später als Leutnant.
In der anschließenden Friedenszeit Kontakt mit Königsberger Gelehrten, u. a. Kant, Christian Kraus, Hippel, Hamann und Scheffner.

1764

Eintritt in die Königsberger Freimaurerloge.

1776

Ernennung zum Stabskapitän.

1782-86

Engagement im Rosenkreuzerorden.

1787

Berufung nach Berlin durch Friedrich Wilhelm II., Ernennung zum Major und zum Assessor beim Oberkriegskollegium.

1790

Durch den Tod des Vaters wird Schrötter Fideikommißherr der Wohnsdorfer Güter. Im selben Jahr Beförderung zum Oberstleutnant; Erhalt der Stelle eines Geheimen Oberfinanzrates mit Sitz und Stimme im Generaldirektorium.

1791

Ernennung zum Oberpräsidenten von Ost- und Westpreußen bringt den Umzug nach Königsberg mit sich. Gemeinsam mit Christian Kraus befördert Schrötter das planmäßige Studium der Nationalökonomie an der Königsberger Universität. Schrötter verlangt von den Anwärtern auf Stellen in der Verwaltung den Besuch der Krausschen Vorlesungen, in denen dieser die Lehren von Adam Smith vermittelt.

1795

Die Ernennung zum Staats- und Finanzminister von Ost- und Westpreußen führt v. Schrötter zurück nach Berlin (Berufung vom 13. November). Schrötter hält seine Königsberger Kontakte aufrecht und knüpft neue Verbindungen zum gebildeten Berliner Bürgertum, wie beispielsweise zu Johann Friedrich Zöllner, Johann Erich Biester und Ignaz Feßler.

1796

Die durch die 3. polnische Teilung erworbene Provinz Neuostpreußen wird Schrötters Departement zugeschlagen.

1797

Mit der Verordnung vom 3. März wird in Neuostpreußen die Trennung von Justiz und Verwaltung durchgeführt.

1798

Erhalt des Roten Adlerordens.

1802

Aufhebung der Hand- und Spanndienste und Ersatz durch Geld und Getreideabgaben wird in Westpreußen durchgeführt. Diese Maßnahme bildet den Kern der Schrötterschen Reformbemühungen.

1804

Aufhebung der Hand- und Spanndienste in Ostpreußen.

1806-08

Schrötter legt Friedrich Wilhelm III. im März einen Plan zur Organisation der ländlichen Verfassung und Verwaltung der vier altpreußischen Kammern vor, der zwar vom König gebilligt, dessen Umsetzung jedoch durch den Krieg verhindert wird. Schrötter gilt als Befürworter einer Reform des preußischen Staates. Nach dem Tilsiter Frieden wird er zum vielleicht wirksamsten und leistungsfähigsten Mitarbeiten des Freiherrn vom Stein. Die Reformgesetze von 1807 und 1808 wurden fast sämtlich in dem Schrötter unterstehenden preußischen Provinzdepartement erlassen.

1808

Dienstentlassung am 8. Dezember infolge der Auflösung des Provinzialdepartements im Rahmen der preußischen Reformen. Schrötter siedelt aus Ostpreußen zurück nach Berlin; sein Haus wird in der Folgezeit Sitz wissenschaftlicher Interessen und Ort politischer Diskussion. Im selben Jahr erhält er den Schwarzen Adlerorden.

1810

Schrötter wird Mitglied des Geheimen Staatsrats.

1814

Ernennung zum königlichen Kommissar bei der interimistischen Landes-Repräsentation.

V. Literatur und Quellen

Literatur

Baczko, L. v.: Denkschrift auf Friedrich Leopold Reichsfreiherrn von Schroetter, Königsberg 1815.

Knapp, F. D.: Bauernbefreiung, 2 Bde., Leipzig 1887.

Krause, G.: Der preußische Provinzialminister Freiherr von Schroetter und sein Anteil an der Steinschen Reformgesetzgebung, Teil 1, Königsberg 1898 (reicht bis 1807).

Krause, G.: Artikel "Schrötter" in: ADB, Bd. 32 (1891), S. 579-582.

Raumer, Kurt von: Schrötter und Schön, in: Altpreußische Forschungen 17 (1940).

Raumer, Kurt von: Freiherr L. v. Schroetter und der Neuaufbau Neuostpreußens, in: HZ 163 (1941), S. 282-304.

Schumacher, Bruno: Artikel "Schrötter" in: DBA.

Straubel, Rolf: Carl August von Struensee. Preußische Wirtschafts- und Finanzpolitik im ministeriellen Kräftespiel (1786-1804/06), Potsdam 1999, S. 431-434.

Portrait

Neue Berlinische Monatsschrift, hrsg. v. Biester, 6. Bd, 1801.