Friedrich August Calau: Der Opernplatz, um 1810, Aquatinta Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Heinrich Christian Curt Graf von Haugwitz, Freiherr zu Kappritz, Kabinettsminister

Geb. 11. Juni 1752 in Peuke bei Oels (Schlesien),
gest. 9. Februar 1832 in Venedig.
Konfession: evangelisch.

I. Genealogie

Vater:

Karl Wilhelm Freiherr v. (1704-1786), württembergischer Kammerpräsident

Mutter:

Johanna Sibylla (1719-1801), Tochter des Johann von der Marwitz

Ehefrau:

Johanna Katharina (geb. 1755), geb. von Tauentzien

Kinder:

unter anderem


Paul (1791-1856), preußischer Oberstleutnant


Catharina, verh. mit Hans Wilhelm Adolf Graf von Kalckreuth, preußischer Legationsrat

II. Adressen in Berlin

ab 1794

Massowsches Haus, Unter den Linden

1798

v. Krusemarksches Haus, Unter den Linden

1799

Lindenstraße

1800

Lindenstraße 4

III. Teilnahme an Formen bürgerlicher Öffentlichkeit

  • Mitglied des Rosenkreuzer-Ordens, in diesem Zusammenhang auch publizistische Tätigkeit
  • Kurator der Universität Breslau (ab 1811)

IV. Kurzbiographie

1769

Haugwitz bezieht die Universität Halle, später wechselt er nach Göttingen. Dort schließt er Freundschaft mit den Brüdern Christian und Friedrich Leopold zu Stolberg.

1775

Haugwitz begleitet die Brüder Stolberg auf eine Reise in die Schweiz, an der zeitweilig auch Goethe teilnahm. In den folgenden Jahren reist Haugwitz zudem nach Italien.

1780-81

Aufenthalt in Schleswig und Holstein; Haugwitz lebt bei der Familie des Grafen Christian Stolberg. Bekanntschaft mit Matthias Claudius.

1781-91

Haugwitz hält sich auf seinen Gütern in Schlesien auf.

1791

Wahl zum Generallandschaftsdirektor der Provinz Schlesien.

1791

Friedrich Wilhelm II., mit dem Haugwitz den Hang zum Übernatürlichen und Okkulten gemein hat, zieht ihn an den preußischen Hof. Ernennung zum preußischen Gesandten in Wien (im Sommer) auf Bitten des Kaisers Leopold II. In dieser Funktion begleitet Haugwitz Franz II. zur Kaiserkrönung nach Frankfurt.

1792

Berufung zum Nachfolger Schulenburg-Kehnerts als Staats- und Kabinettsminister (September).

1794

Am 19. April schließt Haugwitz mit Lord Malmesbury im Haag einen Subsidienvertrag, in dem Preußen sich verpflichtet, den größten Teil seiner Armeen dort einzusetzen, wo es die Interessen der Seemächte erfordern.

1794-95

Teilnahme an den Basler Friedensverhandlungen.

1795

Erhalt des Schwarzen Adlerordens.

1796

Haugwitz schließt Verträge mit Hannover und einigen kleineren Reichsständen sowie mit Frankreich (Berliner Vertrag am 5. August).

1798

Auch nach dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms III. bleibt Haugwitz der eigentliche Gestalter der preußischen Außenpolitik. Auf dem Rastatter Kongreß bemüht er sich um die Annäherung an Österreich; Ende des Jahres versucht er, den König zum Anschluß an die 2. Koalition gegen Frankreich zu bewegen.

1803-04

Haugwitz´ Vorschlag, von Napoleon die Räumung Hannovers zu fordern, findet beim König keine Aufnahme. Enttäuscht nimmt Haugwitz einen längeren Urlaub und legt im August 1804 sein Amt auch formell nieder. Als möglichen Nachfolger empfiehlt er Hardenberg. Nach seiner Entlassung bleibt Haugwitz außenpolitischer Berater des Königs.

1805-06

Im Oktober wird Haugwitz Hardenberg zugeordnet. Ende des Jahres wird er mit einer diplomatischen Mission betraut und verhandelt mit Napoleon. Das Unternehmen ist nicht von Erfolg gekrönt; Haugwitz unterzeichnet am 15. Dezember 1805 den Bündnisvertrag von Schönbrunn und am 15. Februar 1806 ein für Preußen noch ungünstigeres Diktat Napoleons.

1806

Nach dem Ausscheiden Hardenbergs übernimmt Haugwitz - trotz seines Scheiterns bleibt er der Mann des königlichen Vertrauens - die Leitung der auswärtigen Geschäfte (April). Nach der Niederlage bei Jena/Auerstädt begleitet er das Königspaar bis nach Osterode (Ostpreußen), wo er seinen Abschied nimmt.

1811

Ernennung zum Kurator der neu gegründeten Universität Breslau.

1820

Aus gesundheitlichen Gründen siedelt Haugwitz nach Italien über. Seine letzten Lebensjahre verbringt er in einer Villa bei Este.

V. Literatur und Quellen

Werke/Quellen (Auswahl)

Bailleu, Paul (Hg.): Preußen und Frankreich 1795-1807. Diplomatische Korrespondenz, 2 Bde., 1881-87.

Briefe Chr. Gf. v. Haugwitz' finden sich im Nachlaß David Dubois', bis 1820 Geh. Hofrat im preußischen Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten. 1977 GStA Berlin.

Fragment des mémoires inédits du comte de Haugwitz, 1837.

Die Identifikation der folgenden Publikationen ist ungewiß:
An meine Brüder, Breslau (Gottlieb Löwe) 1779; 30 S.
Dazu: An unsere Brüder. Nor arc our Pow´rs to perish immature; but ... (1779); 32 S. (Antwort auf Haugwitz' Schrift "An meine Brüder", verfaßt von einem nicht genannten Anhänger Zinzendorffs oder einem Logenbruder.)

Haugwitz, Christian Heinrich Curt v.: Hirten-Brief an die wahren und ächten Freimaurer alten Systems, Wien 1850; 187 S.

Haugwitz, Christian Heinrich Curt v.: Das Friedenslicht im heitern Morgenblau. Eine Enthüllung der Geheimnisse der Urschöpfung, des Sündenfalls, der Erlösung usw., nebst Hinweisung auf "Neu Jerusalem". Gewidmet und mitgetheilt von einem aus Saulus umgetauften Paulus. 1850; 33 S.

Literatur

Kieseritzky, E.: Die Sendung von Haugwitz nach Wien, Göttingen 1895.

Skalweit, Stephan: Art. "Haugwitz", in: NDB, Bd. 8, Berlin 1969, S. 94-95.