Friedrich August Calau: Der Opernplatz, um 1810, Aquatinta Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Carl August Fürst von Hardenberg, Dirigierender Minister in Ansbach-Bayreuth, später Staatskanzler

Carl August Fürst von Hardenberg, Dirigierender Minister in Ansbach-Bayreuth, später Staatskanzler

Geb. 31. Mai 1750 in Essenrode bei Gifhorn, gest. 26. November 1822 in Genua.
Konfession: evangelisch.

I. Genealogie

Vater:

Christian Ludwig (1700-1781), hannoverscher General

Mutter:

Anna Sophia Ehrengart (1731-1809), geb. von Bülow

Geschwister:

Friedrich Ludwig Graf (1756-1818), hannoverscher Oberhauptmann


Georg Graf (1765-1816), preußischer Landjägermeister des Fürstentums Bayreuth


Anna Sybilla (1751-1808), Oberhofmeisterin der Königin Wilhelmine der Niederlande, verh. mit Adolf von Münchhausen, hannoverscher Oberhauptmann zu Katlenburg

Ehefrauen:

1774-1778: Christiane Friedrike Juliane (1759-1793), geb. v. Reventlow


1788-1800: Sophie (1757-1835), geb. v. Hasberg, gesch. v. Lenthe


ab 1807: Charlotte (geb. 1772), geb. Schöneknecht

Kinder:

Christian Graf v. Hardenberg-Reventow (1775-1841)


Lucie (1776-1854), verh. mit Karl Theodor Gf. zu Pappenheim (1771-1853) und Hermann Ludwig Heinrich Fürst Pückler-Muskau (gest. 1871)

II. Adressen in Berlin

1799

Haus der verwitweten Geheimen Rätin Werkenthin, Opernplatz

1800

Opernplatz 39

1805

Dönhoffscher Platz 55

III. Teilnahme an Formen bürgerlicher Öffentlichkeit

  • gelegentlicher Gast im Salon Elisabeth von Stägemanns (ca. 1810 bis 1820), in dem vornehmlich Künstler, Gelehrte und Beamte verkehrten
  • Gast im politischen Salon Amalie v. Beguelins (erste Ansätze 1806, größere Bedeutung 1811 bis 1812/13), in dem in erster Linie hohe Beamte verkehrten
  • Gast im Salon Henriette v. Crayens (existierte von 1805 bis etwa 1830), der vornehmlich von adligen Beamten besucht wurde

IV. Kurzbiographie

1766

Hardenberg beginnt das Studium der Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Göttingen und hört vornehmlich bei Pütter. Zwischendurch wechselt er für ein Jahr nach Leipzig.

1770

Eintritt in den hannoverschen Justizdienst. Tätigkeit zunächst als Auditor bei der Justizkanzlei, später Beschäftigung bei der Kammer in Hannover.

1772

Da die Beförderung auf sich warten läßt, folgt Hardenberg der Empfehlung Georgs III. und tritt eine längere Reise an. Er besucht mehrere deutsche Fürstenhöfe und lernt die Verfahrensweise des Reichskammergerichts zu Wetzlar, des Reichstages in Regensburg und wahrscheinlich auch des Reichshofrates in Wien kennen.

1778

Aufenthalt in London.

1781

Zweiter Aufenthalt in England. Das Interesse des Prinzen von Wales an Hardenbergs Frau wird öffentlich, und Hardenberg muß abreisen, bevor sich seine Hoffnungen auf die Nachfolge des greisen Leiters der Deutschen Kanzlei in London erfüllen.

1783

Hardenberg wird Minister in Diensten des Herzogs Carl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel. Hardenberg befürwortet den Beitritt Braunschweigs zum preußischen Fürstenbund (1785).

1786

Hardenberg ist mit der Leitung des neuen weltlichen Schulkollegiums betraut.

1790

Hardenbergs Scheidung von seiner ersten Frau und die Heirat der seinetwegen geschiedenen Sophie von Lenthe (1788) machen Hardenberg für Braunschweig untragbar. Er nimmt daraufhin das Angebot Preußens an und geht 1790 als dirigierender Minister nach Ansbach und Bayreuth.

1792

Nach dem Rücktritt des Markgrafen geht die Provinz in den Besitz der preußischen Krone über. Als nahezu selbstständig agierender Minister reformiert Hardenberg in seinen Ansbach-Bayreuther Jahren die dortige Verwaltung über den in Altpreußen erreichten Stand hinaus. Mitarbeiter wie die zu dieser Zeit gewonnenen Altenstein und Nagler werden ihm später nach Preußen folgen.
Erhalt des Roten Adlerordens.

1795

Hardenberg ist Mitunterzeichner des Basler Sonderfriedens. Während er lediglich die französische Besatzung der linken Rheinseite zugeben will, gesteht die preußische Regierung die Abtretung dieser Gebiete zu und ist bereit, ihren Einfluß auf Norddeutschland zu beschränken.
Erhalt des Schwarzen Adlerordens.

1797/98

Nach dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms III. wird Hardenberg unter dem Vorwurf verschwenderischer Haushaltung nach Berlin berufen, wodurch seine weitgehende Selbständigkeit eingeschränkt wird. Hardenberg bleibt zwar dirigierender Minister für Ansbach und Bayreuth, doch er muß einen Teil seiner Reformen zurücknehmen und die Provinzverwaltung auf den Stand der altpreußischen bringen.

1803

Hardenberg gewinnt das Vertrauen des Königs und wird vertretungsweise Minister für auswärtige Angelegenheiten.

1804

Hardenberg wird offiziell Außenminister.

1805-06

Hardenbergs Einstellung gegenüber Frankreich ist zunächst schwankend, bis er sich angesichts der verschärften Bedingungen Napoleons gegen die von Haugwitz und vom König betriebene Politik stellt und 1806 als Außenminister zurücktritt. Im Krieg gegen Frankreich ist Hardenberg ohne staatliches Amt, doch folgt er dem königlichen Hof auf der Flucht.

1807

Im April wird Hardenberg leitender Minister und ist mit allen inneren und äußeren Angelegenheiten betraut. Nach dem Tilsiter Frieden (Juli) muß er aus seinem Amt scheiden. Hardenberg erreicht noch die Ernennung Steins zu seinem Nachfolger und geht nach Riga, um dort gemeinsam mit Altenstein und Niebuhr im Auftrag des Monarchen an einem Plan zur Neuordnung des Staates zu arbeiten (Rigaer Denkschrift, September 1807).

1808

Hardenberg geht nach Tilsit und verfaßt seine "Denkwürdigkeiten". Auf seinen Rat hin wird Stein aus seiner Verantwortung entlassen und das Ministerium Altenstein-Dohna (November) berufen. In den kommenden beiden Jahren hält sich Hardenberg in Berlin und auf seinen märkischen Gütern, Anfang 1810 im Hannoverschen auf und übt als Berater Einfluß auf das politische Geschehen aus.

1810

Hardenberg erreicht die Entlassung Altensteins und seiner Mitarbeiter und wird am 4. Juni - mit Billigung Napoleons - preußischer Staatskanzler. Damit ist das bislang geltende Prinzip der ministeriellen Kollegialität beseitigt. Bis 1822 arbeitet Hardenberg an umfangreichen Reformen, die sich aufgrund des wachsenden Widerstandes restaurativer Kräfte nur teilweise realisieren lassen. Das weiteste Ziel, die Einführung einer Verfassung und die politische Mitbestimmung des Bürgertums, erreichen Hardenberg und seine Unterstützer nicht.

1810

Erlaß des Finanzedikts (27. Oktober) als Auftakt zu den hardenbergschen Reformmaßnahmen. Es folgen das "Regulierungsedikt" (September 1811), das Gewerbesteuergesetzt vom Oktober 1811 (Gewerbefreiheit) und 1812 die gesetzliche Festschreibung der Judenemanzipation.

1814

Gemeinsam mit Wilhelm v. Humboldt und Stein verfaßt Hardenberg den "Entwurf der Grundlage der deutschen Bundesverfassung". Die Bemühungen um eine Konstitution führen dahin, daß der König am 22. Mai 1815 ein Verfassungsversprechen abgibt. Die Einberufung einer Verfassungskommission findet allerdings erst 1817 statt.

1814

Erhebung in den Fürstenstand (3. Juni).

1818

Hardenberg nimmt als Vertreter Preußens auf dem Kongreß der Großmächte in Aachen teil.

1819

Hardenberg verfaßt den Entwurf "Ideen zu einer landständischen Verfassung in Preußen".

1820

Teilnahme am Kongreß zu Troppau.

1821

Kongreß in Laibach.

1822

Kongreß in Verona. Kurz nach dem Kongreß erkrankt Hardenberg und stirbt.

V. Literatur und Quellen

Werke/Quellen (Auswahl)

Denkwürdigkeiten des Staatskanzlers Fürsten v. Hardenberg, Bd. 1-5, hg. v. Leopold von Ranke, Leipzig 1878f.

Hardenberg, Karl August v.: Tagebücher und autobiographische Aufzeichungen, hg. und eingel. v. Thomas Stamm-Kuhlmann (= Deutsche Geschichtsquellen des 19. und 20. Jahrhunderts, Bd. 59); München 1999.

Rigaer Denkschrift, in: Die Reorganisation des Preußischen Staates unter Stein und Hardenberg. Erster Teil: Allgemeine Verwaltungs- und Behördenreform, Bd. 1, hg. v. Georg Winter (= Publikationen aus den Preußischen Staatsarchiven, Bd. 93), Berlin 1931, S. 302-363.

Literatur (Auswahl)

Hausherr, Hans/Bußmann, Walter: Artikel "Hardenberg", in: NDB, Bd. 7, Berlin 1969, S. 658-663.

Haussherr, Hans: Hardenberg, eine politische Biographie (= Kölner Historische Abhandlungen, Bd. 8); Köln/Graz 1963.

Stamm-Kuhlmann, Thomas: "Man vertraue doch der Administration!" Staatsverständnis und Regierungshandeln des preußischen Staatskanzlers Karl August von Hardenberg, in: Historische Zeitschrift 264 (1997), S. 613-655.

Thielen, Peter G.: Karl August von Hardenberg, 1750-1822, in: Männer der deutschen Verwaltung, Köln 1963, S. 23ff.

Portrait

Büste von Ch. D. Rauch, 1816. (Abb. in: Die großen Deutschen im Bild, 1937).

Gemälde v. Gebauer (Abb. bei Werckmeister I).

H. W. Singer: Allgemeiner Bildniskatalog, 1931, Nr. 36 636-55.

Nachlaß

Bedeutender Geschäftsnachlaß betreffend seine ganze Laufbahn in Preußen: u. a. Tagebücher, Memoiren; Korrespondenz, meist politisch. 1934 GStA Berlin; 1954 Dt. Zentralarchiv, Abt. Merseburg.

Nach dem Tode H.s vom dem Geheimen Kabinettsrat D. L. Albrecht in amtlicher Stellung übernommene Papiere aus der Sphäre des Geheimen Zivilkabinetts. 1963 GStA Berlin.

Desgleichen von Wilhelm Fürst zu Sayn-Wittgenstein übernommene Papiere. 1963 GStA Berlin.

Papiere, wahrscheinlich aus dem Hauptnachlaß stammend, im Besitz von Friedrich Schöll (Gehilfe Hardenbergs) gewesen. 1934 GStA Berlin, 1954 Dt. Zentralarchiv, Abt. Merseburg.

Private Papiere meist nichtamtlichen Inhalts: Personalien, Memoiren und Jugendtagebücher, Historia, Familienbesitz, Korrespondenz, Briefwechsel, dabei Briefe H.s und anderes Sammelgut, persönliche Aufzeichnungen und Sammlungen, Guts- und Vermögensverwaltung, Materialien zur Geschichte der Familie Hardenberg, dabei betr. das Archiv, dabei auch amtliche Akten aus der Braunschweiger Zeit. 1965 Schloß Hardenberg bei Nörten, Krs. Northeim.

Reste minderer Bedeutung aus den Jahren vor 1802. Ins Staatsarchiv Hannover gelangt und während des 2. Weltkriegs verlorengegangen.

Nicht unbeträchtlicher Teilbestand von Papieren aus den Jahren vor 1806. Verbleib unbekannt, wohl vernichtet.

Hauptsächlich Herrschafts- und Gutswirtschaftsarchiv Neuhardenberg, dabei aber auch Nachlaßpapiere: u. a. Personalpapiere 1774-1821, dabei autobiographische Notizen, Manuskripte 1809, Finanzsachen 1776-1822, Korrespondenz 1773-1822, Dienstgeschäfte 1752-1800; Umf.: 78 Nummern. 1950 ins Brandenburgische Landeshauptarchiv gelangt: im Bestand Rep. 37 Herrschaft Neuhardenberg/Kreis Seelow.

Manuskript der Denkwürdigkeiten. Bis 1944/45 wohl in Quilitz, seither verschollen.

Splitter, Umf.: 0,01 lfd. m., 1949 ins Hauptarchiv gelangt; 1963 GStA Berlin.

Weitere Korrespondenz in den Nachlässen