Friedrich August Calau: Der Opernplatz, um 1810, Aquatinta Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Levin von Geusau, Oberkriegskollegium, Chef des Militärdepartements beim Generaldirektorium

Geb. 15. Oktober 1734 in Creutzburg (bei Eisenach),
gest. 27. Dezember 1808 in Berlin.

I. Genealogie

Vater:

Levin (1691-1776), markgräflich badischer Landvogt

Mutter:

Magdalene Dorothea, geb. v. Heeringen

Ehefrau:

Marie Karoline (1754-1829), geb. Crepler (Heirat 1788)

Kinder:

Rudolf (geb. 1771)


Karoline Christiane Amalie (geb. 1780), verh. m. General Gustav von Rauch


Henriette Charlotte (geb. 1787)

II. Adressen in Berlin

1791ff.

Haus des Kaufmanns Weinholt, Gertraudenstraße, nahe der Brücke

ab 1796

Haus der Witwe Salomon, Heilige Geiststraße

1800

Kronenstraße 28

III. Teilnahme an Formen bürgerlicher Öffentlichkeit

Geusau war Logenbruder und "Meister vom Stuhl" in Berlin.

IV. Kurzbiographie

1786

Am 1. November Ernennung zum Chef des Feldjägerkorps.

1787

Ernennung zum Generaladjutanten der Infanterie (24. Juni).

1789

Infolge einer Auseinandersetzung mit dem Flügeladjutanten Major von Lindenau, die in diesem Jahr zu einer Duellforderung führte, scheidet Geusau kurzfristig aus dem Dienst.

1790

Demission aus dem Militärdienst als Generalmajor am 26. September; Ernennung zum Direktor des ersten Departements des Ober-Kriegskollegiums. Als solcher ist Geusau mit den Angelegenheiten der gesamten Infanterie betraut. Die Vorbereitung für den Feldzug gegen Frankreich im Jahre 1792 liegen weitgehend in seiner Hand.

1793

Interimistischer Direktor beim 4. Departement des Ober-Kriegskollegiums (Corps de Genie, Mineurcorps). Am 10. Januar weist Friedrich Wilhelm II. Geusau an, die Berliner Polizei vor einer befürchteten französischen Unterwanderung zu sichern. Mit einem Schreiben vom 9. Februar beauftragt der König Geusau, den Minister von Hertzberg vor weiteren Einmischungen in die Staatsgeschäfte zu warnen. Am 4. Mai wird Geusau nach Danzig geschickt, um die Besetzung der Stadt vorzubereiten. In dieser Sache erhält er am 31. Juli den Auftrag, zu General Möllendorff zu reisen. Am 31. August verleiht Friedrich Wilhelm II. Geusau den Roten Adlerorden. Im Herbst reist Geusau nach Frankfurt/Oder; er ist zuständig für die Planung des Polenfeldzuges.

1794

Nach dem Tod des Generallieutnants von der Gröben wird Geusau auch interimistisch die Zuständigkeit für das 5. und 8. Departement beim Ober-Kriegskollegium übertragen (16. Juli). Geusau wird Chef des Militärdepartements beim Generaldirektorium und zudem zuständig für die Versorgungsgeschäfte der Armee. Zwar ist er nicht als Wirklicher Minister im Staatsrat eingeführt, doch in seiner Eigenschaft als Kriegsminister ist er bei den Sitzungen des Staatsrats zugegen. Am 12. Dezember wird er von der Zuständigkeit für das 1. Departement beim Oberkriegskollegium entbunden.

1796

Beförderung zum Generallieutnant. Am 28. Januar gibt Geusau das Militärdepartement ab an Kannewurff; er erhält das Amt des Generalquartiermeisters der Armee (Chef des Generalstabs) und Generalinspekteurs aller königlichen Festungen. Sein 4. Departement wird mit der Kabinettsorder vom 4. November vom Ober-Kriegskollegium getrennt und ist nun selbständig mit dem Unterhalt der Festungen betraut. Am 31. Dezember wird er Chef des neuen "Ingenieurdepartements". Unter Geusaus Aufsicht beginnt der Ingenieurmajor Müller, preußischen Offizieren seine Vorträge zu halten; später wird sich daraus die Militärische Gesellschaft [Link] bilden.

1797

Geusau begibt sich auf eine Inspektionsreise in den Osten. Mitte des Jahres wird er mit der Organisation der neu zu gründenden Pépinière in Berlin betraut und zum Kurator für diese Einrichtung ernannt.

1803

Angesichts der angespannten politischen Lage gibt Friedrich Wilhelm III. die Anweisung, daß Geusau die Mobilmachung vorbereiten solle.

1804

Am 3. Juli legt Geusau den von dem inzwischen zum Generalquartiersmeisterlieutnant avancierten Scharnhorst erarbeiteten Plan zur Errichtung und zum Ausbau der Militärakademie für Offiziere vor. Scharnhorst entwickelt sich in diesen Jahren zu einem der wichtigsten Untergebenen Geusaus.

1806

Geusau lehnt den von Scharnhorst im Frühjahr unterbreiteten Vorschlag zur genauen Erkundung in Thüringen, Westfalen und in den Tälern der Werra und Fulda durch die Generalstabsoffiziere ab. Am 19. Dezember wird Geusau auf eigenen Wunsch hin von seinen Ämtern entbunden; er will als Privatmann nach Königsberg gehen. Zwei Jahre darauf stirbt Geusau in Berlin.

V. Literatur und Quellen

Literatur

Klaproth, C. A. L.: Verzeichnis der Wirklichen Geheimen Staats-Minister und der Geheimen Staats-Sekretairen, in: Ders: Der Kgl.-Preußische und Churfürstlich Brandenburgische Wirklich Geheime Staats-Rath, Berlin 1805, S. 532-534.

Priesdorff, Kurt: Art. "Geusau" in DBA.

Nachlaß

1. Teil: 1777-1808; Umf.: 1 Karton. Nach 1918 Reichsarchiv, Abt. Berlin; 1924 GStA Berlin; 1938 Heeresarchiv Potsdam; 1945 beim Brande des Heeresarchivs vermutlich vernichtet.

2. Teil: Kleiner militärisches Nachlaß: Kabinettsordres 1763-1808. 1927/28 GStA; nicht ans Heeresarchiv abgegeben; Verbleib unbekannt.