Uta Lohmann
„Über mehrere wichtige Punkte des Lebens und der Gesellschaft führte er uns früh auf die richtigen Ansichten“ – David Friedländer und Wilhelm von Humboldt im Gespräch.
Der jüdische Aufklärer David Friedländer (1750-1834) war für die Berliner Haskala (jüdische Aufklärung) in der Generation nach Moses Mendelssohn eine führende Persönlichkeit. In seinem weit verzweigten kommunikativen Netzwerk nahmen die Brüder Humboldt eine Sonderstellung ein, nicht nur weil sie von ihren Lebensdaten her gesehen eher der Generation seiner Söhne zuzurechnen sind. Der heute nur bruchstückhaft erhaltene Briefwechsel zeigt deutlich ihr Bedürfnis nach gegenseitiger Mitteilung und freundschaftlichem Austausch mit Friedländer. Der Vortrag soll ein geplantes Projekt vorstellen, das die Korrespondenz danach befragen will, wie Friedländer insbesondere auf Wilhelm von Humboldt (1767-1835) eingewirkt hat und wie sich der in Humboldts Briefen vielfach betonte und gelobte bildende Einfluss Friedländers konkretisieren lässt. Im inhaltlichen Vergleich ausgewählter Schriften Friedländers und Wilhelm von Humboldts sollen Gemeinsamkeiten der Bildungsauffassungen beider Denker herausgearbeitet und bewertet werden. Dabei geht es zum einen um die Analyse des Einflusses der Bildungsprogrammatik der Haskala auf Humboldts Denken, zum anderen um Rückschlüsse auf Friedländers Bildungskonzept, das dieser vorrangig in Form programmatischer Stellungnahmen in die politisch-praktischen Auseinandersetzungen um die rechtliche Gleichstellung der Juden und um die kulturelle Modernisierung des Judentums einbrachte.