Friedrich August Calau: Der Gendarmenmarkt mit dem alten Schauspielhause, um 1820, Aquatinta (Laurens und Thiele sculp.), Berlin bei L.W. Wittich, 17 x 12 cm Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Savoy

Die Berlinerin Helmina von Chézy (1783-1856). Die Edition ihres Werkes "Leben und Kunst in Paris seit Napoleon I"

Die Berlinerin Helmina von Chézy (1783-1856) publizierte 1805-1807 das zwei Bände umfassende Werk Leben und Kunst in Paris seit Napoléon I. Begeistert von Napoléon Bonaparte, den sie „Friedensstifter Europens“ und den „Wiederhersteller der Religion und guten Sitten in Frankreich“ nennt, berichtet sie vom kulturellen und gesellschaftlichen Leben aus dem damaligen Zentrum Europas. Sie widmete das Werk Dominique Vivant Denon, dem Leiter des Musée Napoléon, mit dem sie freundschaftlich verbunden war. Zahlreiche Schilderungen erzählen von Besuchen in privaten und öffentlichen Kunstsammlungen und Museen, zu denen sie aufgrund ihrer guten Verbindungen zur französischen Gesellschaft Zugang hatte. Es sind zum Teil seltene und einzigartige Dokumente ihrer Zeit, die von Anekdoten, Briefen und Gedichten, die sie während ihres Aufenthaltes in Paris verfasste, ergänzt werden und ein frühes Zeugnis europäischen Kulturtransfers darstellen.

Helmina reiste 1801, achtzehnjährig und die erste gescheiterte Ehe mit Gustav Freiherr von Hastfer bereits hinter sich, nach Paris um als Schriftstellerin und Journalistin tätig zu sein und die literarische Familientradition fortzusetzen: ihre Großmutter war die von Goethe geschätzte Dichterin Anna Louisa Karsch und ihre Mutter die Schriftstellerin Caroline von Klencke. In einer Zeit, in der die Reiseliteratur boomte und der Bedarf an Information aus fernen Metropolen groß war, wurde Helmina bald Mitarbeiterin der von Friedrich Schlegel herausgegebenen Zeitschrift Europa, verfasste Beiträge für deutsche Zeitschriften wie Eunomia oder London und Paris und gab von 1803-1807 die Französischen Miscellen für Johann Friedrich Cotta heraus. Sie begründete gemeinsam mit Friedrich und Dorothea Schlegel sowie anderen deutschsprachigen Repräsentanten der Romantikergeneration eine Wohngemeinschaft in der Rue de Clichy 19. Helmina heiratete 1805 den französischen Orientalisten Antoine Léonard de Chézy, mit dem sie gemeinsam zwei Kinder hatte und von dem einige Übersetzungen persischer Gedichte, u.a. von Hafis, in Leben und Kunst veröffentlicht sind. Nach fünfjähriger Ehe ließ sie sich scheiden und kehrte 1810 nach Deutschland zurück. Sie setzte ihre schriftstellerische Tätigkeit in vielfältiger Weise fort, u.a. verfasste sie das Libretto zu Carl Maria von Webers Oper Euryanthe.

Seit Mai 2007 arbeitet eine interdisziplinäre Gruppe von Studentinnen und Studenten unter Leitung von Bénédicte Savoy (TU Berlin) an der Edition einer kommentierten Ausgabe von Leben und Kunst. Das Projektseminar, das sich auch als wissenschaftspolitisches Plädoyer für die Beibehaltung und Stärkung der Einheit von Forschung und Lehre an der Universität (Motto: Forschen im Studium) ist auch Teil der AG Lehre der Jungen Akademie an der BBAW und der Akademie der Naturforscher Leopoldina.

Teilnehmer :
David Blankenstein, Lisa Hackmann, , René Hartmann, Matthias Heuser,
Nadine Ott, Eva Knels, Malte Lohmann, Bénédicte Savoy, Nina Struckmeyer