Sebastian Panwitz
Ausgehend von der Topographie des Berliner Judentums im späten 18. Jahrhundert, die sich deutlich von der des 19. und 20. Jahrhunderts unterschied und in einer Art virtuellem Stadtspaziergang präsentiert wird, wendet sich der Vortrag im Hauptteil der Frühgeschichte der Gesellschaft der Freunde zu.
Dieser Verein wurde 1792 im Kreise jüdischer aufklärungsorientierter Junggesellen als Organisation zur gegenseitigen Unterstützung und zur Vertretung der spezifischen eigenen Interessen gegründet. Er vereinte Elemente der traditionellen jüdischen Chewroth (Gesellschaften) mit denen der neuentstehenden Organisationen der nichtjüdischen Umwelt. Zur Initiativgruppe gehörten unter anderem die bekannten Maskilim, Pädagogen und Publizisten Isaak Euchel und Aaron Wolfssohn sowie der älteste Sohn Moses Mendelssohns, der spätere Bankier Joseph Mendelssohn. Neben Erfüllung ihrer Kernaufgabe, der Unterstützung von Mitgliedern in Fällen von Krankheit, Armut, Arbeitslosigkeit und Tod, engagierte sich die Gesellschaft der Freunde bereits in den ersten Jahren ihres Bestehens überraschend erfolgreich in dem damals sehr emotional geführten Streit um die frühe Beerdigung. Die kurz darauf folgende Initiative zur Errichtung eines Leichenhauses jedoch blieb erfolglos.
Durch verschiedenen Neuerungen und Reformen wie der Etablierung einer eigenen Ressource und der Aufnahme auch verheirateter Beitrittskandidaten schuf sich der Verein die Grundlage für seinen stetigen Aufstieg und die Ausweitung seiner sozialen Basis, die ihn im 19. Jahrhundert zum eigentlichen Kulturzentrum des Berliner Judentums werden ließen.