Friedrich August Calau: Der Gendarmenmarkt mit dem alten Schauspielhause, um 1820, Aquatinta (Laurens und Thiele sculp.), Berlin bei L.W. Wittich, 17 x 12 cm Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Monika Meier

Zwischen Gelehrtengesellschaft, Salon und neuen publizistischen Medien – die Korrespondenz Jean Pauls im Wandel brieflicher und literarischer Kommunikation um 1800


Mit der Korrespondenz Jean Pauls ist ein außerordentlich reicher und vielfältiger Briefwechsel aus den Jahrzehnten um 1800 überliefert: Den über 5.000 Briefen und Billetts des Autors, die Eduard Berend 1952 bis 1964 in der Dritten Abteilung der Historisch-kritischen Jean-Paul-Ausgabe veröffentlicht hat, werden in der Vierten Abteilung etwas mehr als 2.200 Briefe an Jean Paul von über 400 Korrespondenzpartnern gegenübergestellt; zu etwa zwei Dritteln waren sie bislang ungedruckt (bereits erschienen: Band 1 und 2 mit den Briefen der Jahre 1781 bis 1797).

Wer seine Bücher als "Briefe in dickerem Format" bezeichnet, sich in Vorreden zu Romanen an seine Leserinnen und Leser wendet, Freundinnen und Freunde auffordert, miteinander Briefe zu wechseln und diese im Freundeskreis kursieren zu lassen, und zudem von seinen Bekannten einen Austausch über die "Mondsflecken" seines bzw. ihres Inneren wünscht, der darf mit einer Fülle ambitionierter Zuschriften rechnen. Und in der Tat zeigen die meisten Briefe an Jean Paul, dass sie an einen Autor gerichtet sind, dem es um unterschiedliche Weisen der Reflexion von 'Literatur' und 'Leben' geht, gerade auch, indem deren Grenzen umspielt werden. "Si j'étois reine, l'auteur d'Hespérus, serait mon premier ministre", wendet sich etwa Josephine von Sydow in ihrem ersten Brief an Jean Paul, damit einen brieflichen Dialog initiierend, der u. a. zum Zusammentreffen mit dem Schriftsteller im Mai 1800 in Berlin führt.

Bei aller Individualität der verschiedenen Briefwechsel lassen sich Typen und Stile der brieflichen Kommunikation und über die Jahrzehnte Verschiebungen ausmachen, die mit der jeweiligen Dominanz unterschiedlicher Formen der Öffentlichkeit und Geselligkeit in Verbindung stehen. Dieser Wandel ist mit den Stichworten der Gelehrtengesellschaft der Aufklärung, des Salons um die Jahrhundertwende und der 'Leitmedien' des beginnenden 19. Jahrhunderts – Taschenbüchern, Almanachen und Zeitschriften – umrissen. Im Vortrag soll das thematisch wie sprachlich vielfältige und sich in den jeweils dominanten Formen verändernde Spektrum der Jean Paulschen Korrespondenz am Beispiel einzelner Briefwechsel, u. a. dem mit Rahel Levin, vorgestellt werden.