Musik in Berlin um 1800
Musik in Berlin um 1810
Das Berlin des frühen 19. Jahrhunderts gehörte nicht zu den Musikmetropolen, die bedeutende Komponisten langfristig an sich binden konnten. Mozart, Haydn, Beethoven sowie Schubert wirkten alle in Wien, Carl Maria von Weber in Prag und Dresden; seit den 1830er-Jahren war es in Deutschland dann vor allem die Stadt Leipzig, die einer neuen Komponistengeneration wie Mendelssohn oder Schumann attraktive Bedingungen bot.
Konnte man in der preußischen Hauptstadt also relativ wenig (bedeutende) Berliner Musik hören, so gab es gleichwohl ein überaus reichhaltiges Musikleben, das keinen Vergleich mit den führenden Städten zu scheuen brauchte. Musik in Berlin hieß dabei: mit einheimischen Kräften die Musik aus anderen deutschen Städten, die neuesten Produkte aus Paris und Italien aufzuführen und sich darüber zu verständigen.
Anlässe gab es genug:
- Oper wurde im Königlichen Opernhaus und im Nationaltheater gegeben, dazu die neuesten Schauspiele mit Musik;
- Konzerte konnte man entweder mit durchreisenden Virtuosen hören – so war im Januar
1810 der Geigenvirtuose Louis Spohr mit seiner Frau nach Berlin gekommen – oder im Rahmen
der Abonnementskonzerte, die z. B. der Berliner Komponist Georg Abraham Schneider
im Winter organisiert hatte; - wer es lieber intimer mochte, konnte etwa im Salon der Henriette Herz oder in der Liedertafel
Zelters, für die sein Freund Goethe Gedichte beigesteuert hatte, auf seine Kosten
kommen, oder er kaufte bei den in Berlin ansässigen Verlagen und Musikalienhandlungen
die neuesten Werke, um sie zu Hause aufs Klavier zu legen; - der Bildungsbürger hingegen ging zur (noch heute existierenden) Sing-Akademie oder las
die Rezensionen und Berichte in der Vossischen Zeitung, der Allgemeinen musikalischen
Zeitung oder des Journals des Luxus und der Moden