Friedrich August Calau: Der Gendarmenmarkt mit dem alten Schauspielhause, um 1820, Aquatinta (Laurens und Thiele sculp.), Berlin bei L.W. Wittich, 17 x 12 cm Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Astrid Fendt

Astrid Fendt, Antikensammlung SMB

Vollständigkeit und Fragment.
Die Restaurierung der antiken Skulpturen für das Königliche Museum in Berlin

1830 eröffnete das Königliche Museum in Berlin, in dessen Hauptgeschoß prominent antike und moderne Skulpturen präsentiert wurden. Die antike Plastik entstammte einerseits den bestehenden königlich-preußischen Kunstsammlungen, andererseits ließ König Friedrich Wilhelm III. im Vorfeld der Museumseinrichtung programmatisch auf dem Kunstmarkt in Rom ankaufen. Der Archäologe und Kunstkenner Aloys Hirt sowie die Bildhauer Christian Daniel Rauch und Friedrich Tieck unterzogen alle neu auszustellenden Antiken einer kritischen Revision betreffend deren Restaurierungszustand.
Entsprechend dem klassizistischen Antikeverständnis, das vollständige und inhaltlich korrekt ergänzte Figuren verlangte, wurde ein großer Teil der auszustellenden Plastik im Stil des Berliner Klassizismus neu ergänzt. Zugleich behielt man aber auch einige der bestehenden, zumeist in Rom angefertigten Ergänzungen des Barock und Frühklassizismus bei und reflektierte die beginnende Diskussion um das Fragment in der musealen Präsentation der Antiken.
In dem Vortrag sollen das vorherrschende Antikebild im Berlin des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts, das einhergeht mit dem zeitgenössischen Kunst- und Ästhetikverständnis, sowie die daraus resultierenden Restaurierungskriterien für die Präsentation der antiken Plastik 1830 im Königlichen Museum erörtert werden.