Macht und Freundschaft. Berlin - St. Petersburg 1800-1860.
Ada Raev, Mitkuratorin der Ausstellung führt durch
Macht und Freundschaft. Berlin - St. Petersburg 1800-1860.
Eine Deutsch-Russische Ausstellung der Stiftung Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (im Gropius-Bau)
Selten ist der preußisch-russische Kulturaustausch so intensiv wie in
der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gewesen. Die Ausstellung "Macht
und Freundschaft" bringt anhand von Kunstwerken unterschiedlicher
Gattungen aus deutschen und russischen Museen jene Epoche wieder in
Erinnerung.
Den Grundstein für das enge Verhältnis von Preußen und Russland legte
die Freundschaft zwischen dem russischen Zaren Alexander I. und dem
preußischen Königspaar Friedrich Wilhelm III. und der Königin Luise, die
bei dem ersten Aufeinandertreffen 1802 in Memel entstand. Gefestigt
wurde die Beziehung der Herrscherhäuser durch die Heirat der ältesten
Tochter Friedrich Wilhelms III. und Luises, Prinzessin Charlotte von
Preußen, mit dem Bruder Zar Alexanders, dem russischen Großfürsten
Nikolaus. Als Alexandra Feodorowna wird Charlotte 1826 russische Zarin.
Einzigartige Kunstwerke wurden in dieser Zeit und aufgrund der engen
politischen Beziehungen der Herrscherhäuser von bedeutenden Künstlern
und Kunsthandwerkern in Berlin wie St. Petersburg geschaffen, so etwa
von Gottfried Schadow, Christian Daniel Rauch, Carl Friedrich Wichmann,
Karl Friedrich Schinkel, Franz Krüger, Eduard Gaertner, von Andrej
Woronichin, Carlo Rossi, Wassilij Stassow, George Dawe und Heinrich
Gambs. In Potsdam wurde ein russisches Dorf, Alexandrowka, gebaut sowie
eine russische Kirche; Berlin bekam seinen "Alexanderplatz". Auf der
anderen Seite ließ Nikolaus I. die berühmte Sommerresidenz Peterhof zu
einer Kulturlandschaft nach Potsdamer Vorbild formen. Der Baukomplex der
Römischen Bäder in Sanssouci wurde zur Vorlage für den Zarinnenpavillon,
und in Sanssouci wie in Peterhof wurden die gleichen Skulpturen
aufgestellt. Sichtbarstes Sinnbild preußisch-russischer Gemeinsamkeit
waren die berühmten Petersburger Rossebändiger von Clodt, 1841 auf der
Anitschkow-Brücke in St. Petersburg aufgestellt, deren Zwillinge 1844
vor das Berliner Schloss gebracht wurden. Bis heute haben sich
zahlreiche Spuren dieser Zeit in den Stadtbildern und Gartenanlagen, in
den Schlössern und Sammlungen von Berlin und Potsdam, von Sankt
Petersburg und Moskau erhalten und nehmen ausdrücklich aufeinander Bezug.