Friedrich August Calau: Der Gendarmenmarkt mit dem alten Schauspielhause, um 1820, Aquatinta (Laurens und Thiele sculp.), Berlin bei L.W. Wittich, 17 x 12 cm Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Christof Baier

"[…] höchst sinnvolle Stuckverzierung". Wiederentdeckung des Skulpturenprogramms der Alten Berliner Börse aus der Werkstatt Johann Gottfried Schadows

Mit dem Neubau der Börse am Berliner Lustgarten (Entwurf Friedrich Becherer) wurde im August 1805 ein Gebäude eingeweiht, das hinsichtlich seiner gesellschaftlichen und stadträumlichen Bedeutung, aber auch hinsichtlich seiner Architektur und seines Skulpturenprogramms ohne weiteres neben dem Schauspielhaus auf dem Gendarmenmarkt (Carl Gotthard Langhans, 1798-1802) oder dem Münzgebäude am Werderschen Markt (Heinrich Gentz, 1796-1800) bestehen konnte.

Der umfangreiche Skulpturenschmuck der Börse stammte wie bei den anderen beiden Bauten aus der Werkstatt Johann Gottfried Schadows. Man sollte meinen, die ehemals 27 Stuckreliefs der Fassade sowie die zwei Stuckfriese und drei Lünettenfelder aus dem Börsensaal würden einen besonderen Platz im Oeuvre Schadows einnehmen. Ganz im Gegenteil aber sind sie bis heute so gut wie unbeachtet geblieben.

Anhand von Abbildungen, vor allem aber anhand zahlreicher gut erhaltener Fragmente soll das Skulpturenprogramm in seiner Ikonographie sowie in seinen kompositorischen und formalen Qualitäten als bedeutende Werkgruppe der in den Jahren um 1800 so produktiven Werkstatt Johann Gottfried Schadows vorgestellt werden.