Meiner
Die Prunkmöbel der Roentgen-Manufaktur im Spiegel von Hof und absolutem Fürstenstaat
Jörg Meiner (Berlin)
Die Neuwieder Manufaktur Abraham Roentgens und die seines Sohnes David fertigten im 18. Jahrhundert eine Reihe von außergewöhnlichen Repräsentationsmöbeln für führende europäische Herrscherhäuser an. Zu den Kunden dieser singulären Werke zählten Johann Philipp von Walderdorff, der Kurfürst und Erzbischof von Trier, König Ludwig XVI. von Frankreich, König Friedrich Wilhelm II. von Preußen und die russische Zarin Katharina II. Sie alle erwarben für immense Summen komplex ausgestattete Schreibmöbel, die ihren Charakter als im ursprünglichen Sinn zu benutzende Möbel völlig abgelegt haben. Ihre betonte Nutzlosigkeit stempelt sie aber keineswegs zum dekadenzbehafteten "Fürstenspielzeug" ab, sondern sie ist gleichsam erst die Voraussetzung für die Interpretation der Möbel im Sinne einer Herrschaftsmetapher. Ihre Marketeriebilder und ihre kompliziert angelegte mechanische Ausstattung machen aus diesen Möbeln Monumente einer (spät)absolutistischen Ikonographie von Staat und Fürst. Die Verbindung traditioneller imperialer Bildsprache und ingeniöser Technik erlaubt es, die Möbel als mechanische Fürsten-Monumente oder Fürsten-Denkmale anzusehen, die durch Verblüffung des Publikums Distanz erzeugten und durch metaphorische Konnotationen das Wesen vom absolutistischem Staat und seinem Herrscher ins Bewußtsein der höfischen Betrachter riefen.