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zurück | Fenster schliessen | Drucken | 28.08.2008
 

Lacher

Reimar Lacher (Berlin): Schadows Prinzessinnengruppe. Kongruenz von Natur und Kunst

Es fehlt nicht an Analysen von Schadows Prinzessinnengruppe, dennoch ist die erneute Beschäftigung mit der Schöpfung lohnend. Die größtenteils lange bekannten Quellen wurden in breiterem Umfang, als dies bisher geschehen ist, sämtlich aufs Neue nach den Originalen studiert und akribisch Wort für Wort erneut analysiert. Dadurch kann die bisherige Forschung in zahlreichen Punkten ergänzt und präzisiert werden.

Die allzu akademischen Bahnen, in denen gerade die jüngste Forschung befangen ist, soll durch die werk- und quellennahe Darstellung wieder verlassen werden. Anstatt die Gruppe einerseits als Produkt des Zeitgeistes zu behandeln, sie andererseits als Konglomerat verschiedenster Anregungen zu verstehen, wird Schadows Meisterwerk in seiner Originalität ausgelotet. Dabei werden stets die Gesetzmäßigkeiten der Gattung Porträt bewußt gehalten, ohne einen unreflektierten Denkmalsbegriff zu bemühen. Nur aus der Perspektive der Porträttradition kann die Vorraussetzungslosigkeit der bildhauerischen Form, eben des weiblichen Doppelporträtstandbildes, und damit die Originalität der Schöpfung plausibel dargelegt werden.

Die Analyse eines bislang unbekannten Beitrags zum zeitgenössichen Diskurs bereichert die bisherige Interpretation der Schöpfung um wesentliche Gesichtspunkte. Der nicht näher bekannte Verfasser dieser Rezension geht von der Problematik einer jeden Porträtdarstellung aus, daß hier individuelle Ähnlichkeit anstatt allgemeiner Schönheit darzustellen und mithin der Kunstwert von nachgeordneter Bedeutung sei. Diesen Umstand wendet er in die Frage, ob in Schadows Doppelstandbild mehr der Patriot die beiden Prinzessinnen oder aber der Kunstliebhaber die Kunst verehre. Seine Aufhebung erfährt dieses Dilemma in der Argumentation des Autors dadurch, daß die beiden Prinzessinnen – ein Glücksfall der Kunstgeschichte – durch ihre „Schönheit sich zu Repräsentanten einer ganzen Schönheitsklasse der Menschen qualificirten“. Dadurch konnte es dem Künstler gelingen, „ein individuelles Kunstwerk in ein ideales zu verwandeln“. So sei in diesen Bildnissen das „Ideal der Schönheit“ dargestellt. Schadow selbst nannte Luise und Friederike später einmal die „schönsten Prinzessinnen ihrer Zeit“. Zwei Meisterwerke der Natur hatten das Modell abgeben für ein Meisterwerk der Kunst.

Diese Überlegungen, in denen den beiden Prinzessinnen als den Personen der Darstellung hohe Bedeutung zu kommt, dienen dazu, den Terminus ‚Die Schöne Natur’, in welcher Kunst und Natur kongruieren, als Schlüsselbegriff des Schadowschen Realismus zu erarbeiten. Die Prinzessinnengruppe ihrerseits stellt sich in dieser Sicht als Exponent dieser mit erstaunlicher Beharrlichkeit über Jahrzehnte hinweg entwickelten künstlerischen Position dar.

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