Friedrich August Calau: Der Gendarmenmarkt mit dem alten Schauspielhause, um 1820, Aquatinta (Laurens und Thiele sculp.), Berlin bei L.W. Wittich, 17 x 12 cm Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Wipprecht

Schloss Friedrichsfelde ist nicht nur ein rares Beispiel preussischer Schlossarchitektur im Berliner Osten, sondern auch ein Glücksfall der DDR-Denkmalpflege. Das 1945 enteignete und in der Folge stark vernachlässigte Haus wurde als eine der wenigen Adelsresidenzen im Ostteil der Stadt nicht abgerissen, sondern in den 1970er und 1980er Jahren grundlegend saniert. Auch das barocke Gartenparterre mit seinen holländischen Kanälen und Brücken wurde originalgetreu rekonstruiert. Die Wiederherstellung orientierte sich hierbei am Bauzustand der Zeit um 1800, als Friedrichsfelde in rascher Folge dem Prinzen Ferdinand v. Preussen, dem Herzog v. Kurland sowie der Herzogin v. Holstein-Beck gehörte.

Trotz der grundlegenden Sanierung konnten wertvolle Details des Baus bis heute bewahrt werden. Die Architekten Nehring, Böhme, Boumann und Gontard haben Friedrichsfelde das ausgemalte und geschnitzte Treppenhaus sowie den frühklassizistischen Festsaal beschert, "in edelstem schönsten Geschmack, von ungemeiner Symmetrie und Proportion" (Friedrich Nicolai). Gegenwärtig wird das Haus als Dependance der Stiftung Stadtmuseum geführt. Die künftige Nutzung als Museum für historische Tapeten und Wohnkultur des 18./19. Jahrhunderts ist allerdings akut gefährdet.

Schloss und Park Friedrichsfelde spiegeln nahezu 350 Jahre preussischer Geschichte. Alle preussischen Könige, aber auch die Zarenfamilie und Napoleon, Franz Liszt, Henriette Paalzow, Künstler, Musiker und Schriftsteller haben Friedrichsfelde besucht und beschrieben. Der "preussische Apoll" Louis Ferdinand wurde in Friedrichsfelde geboren, seine Schwester Luise Radziwill verbrachte hier die glücklichste Zeit ihres Lebens. Theodor Fontane widmete dem "Charlottenburg des Ostends" ein eigenes Kapitel im Band "Spreeland", sein unverzichtbarer Text endet mit dem tiefempfundenen Seufzer: "Hier ist Friede!".

Es führen:
Ernst Wipprecht
Dr. Rüdiger v. Treskow

Lit.: Wipprecht, Ernst: Schloss Friedrichsfelde - ein Schicksal zwischen Abriss und Ausbau zum Museumsschloss, in: Jahrbuch Stiftung Stadtmuseum, Bd. 5, Berlin 1999, S. 178-294.