Wipprecht
Schloss
Friedrichsfelde ist nicht nur ein rares Beispiel preussischer
Schlossarchitektur im Berliner Osten, sondern auch ein Glücksfall der
DDR-Denkmalpflege. Das 1945 enteignete und in der Folge stark vernachlässigte
Haus wurde als eine der wenigen Adelsresidenzen im Ostteil der Stadt nicht
abgerissen, sondern in den 1970er und 1980er Jahren grundlegend saniert. Auch
das barocke Gartenparterre mit seinen holländischen Kanälen und Brücken wurde
originalgetreu rekonstruiert. Die Wiederherstellung orientierte sich hierbei am
Bauzustand der Zeit um 1800, als Friedrichsfelde in rascher Folge dem Prinzen
Ferdinand v. Preussen, dem Herzog v. Kurland sowie der Herzogin v.
Holstein-Beck gehörte.
Trotz der grundlegenden Sanierung konnten wertvolle Details des Baus bis heute
bewahrt werden. Die Architekten Nehring, Böhme, Boumann und Gontard haben
Friedrichsfelde das ausgemalte und geschnitzte Treppenhaus sowie den
frühklassizistischen Festsaal beschert, "in edelstem schönsten Geschmack,
von ungemeiner Symmetrie und Proportion" (Friedrich Nicolai). Gegenwärtig
wird das Haus als Dependance der Stiftung Stadtmuseum geführt. Die künftige
Nutzung als Museum für historische Tapeten und Wohnkultur des 18./19.
Jahrhunderts ist allerdings akut gefährdet.
Schloss und Park Friedrichsfelde spiegeln nahezu 350 Jahre preussischer
Geschichte. Alle preussischen Könige, aber auch die Zarenfamilie und Napoleon,
Franz Liszt, Henriette Paalzow, Künstler, Musiker und Schriftsteller haben
Friedrichsfelde besucht und beschrieben. Der "preussische Apoll"
Louis Ferdinand wurde in Friedrichsfelde geboren, seine Schwester Luise
Radziwill verbrachte hier die glücklichste Zeit ihres Lebens. Theodor Fontane
widmete dem "Charlottenburg des Ostends" ein eigenes Kapitel im Band
"Spreeland", sein unverzichtbarer Text endet mit dem tiefempfundenen
Seufzer: "Hier ist Friede!".
Es führen:
Ernst Wipprecht
Dr. Rüdiger v. Treskow
Lit.: Wipprecht, Ernst: Schloss Friedrichsfelde - ein Schicksal zwischen Abriss
und Ausbau zum Museumsschloss, in: Jahrbuch Stiftung Stadtmuseum, Bd. 5, Berlin
1999, S. 178-294.