Berrit Ruge
Graf Carl Heinrich August von Lindenau ließ in der Nähe von Leipzig zwischen 1782 und 1797 den Landschaftsgarten Machern anlegen. Es entstanden die unterschiedlichsten Staffagen, etwa eine Pyramide und eine Ritterburg mit Grotte.
Die Gartenarchitekturen und die komponierte Natur bildeten in Machern eine sinnstiftende Synthese und konnten so vermutlich als Einweihungsweg in die geheimen Weisheiten des Ordens der Gold- und Rosenkreuzer gelesen werden. Damit ist ein metaphorischer Prüfungspfad gemeint, der den stufenweisen Aufstieg von der Selbsterkenntnis über die Veredelung der eigenen Persönlichkeit zur Erleuchtung visualisierte. Hierbei wurde die literarische Struktur des Dramas aufgenommen; so sollten bewusst konzipierte Orte - wie Grabmonumente, Tempel, eine Pyramide, eine Grotte, ein Aussichtsturm – unterschiedliche Empfindungen erregen. Ein inszeniertes Erleben von negativ konnotierten Gefühlen, wie des Schauerns oder der Trauer über den Tod, spielte hierbei eine zentrale Rolle.
Warum aber wählte man ausgerechnet den Garten als Medium, Erkenntnisprozesse darzustellen? Und wie funktionierte eine derartige Inszenierung konkret? Gab es literarische Zeugnisse bzw. Abhandlungen oder grafische Werke, die als Ideengrundlage dienen konnten? Diese und andere Fragen sollen anhand des Landschaftsgartens Machern erörtert und erprobt werden.