Friedrich August Calau: Der Gendarmenmarkt mit dem alten Schauspielhause, um 1820, Aquatinta (Laurens und Thiele sculp.), Berlin bei L.W. Wittich, 17 x 12 cm Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Meine-Schawe

Monika Meine-Schawe, München

Aus der Frühzeit der Münchner Akademie der bildenden Künste


Die Münchner Akademie der bildenden Künste gilt als späte Gründung unter den deutschen Akademien. Nur die 1808 ins Leben gerufene Institution hat ihren Platz im Bewusstsein der Öffentlichkeit. Es ist die Akademie Johann Peter Langers (1756-1824) und Peter von Cornelius' (1783-1867). Zahlreiche Künstlergrößen gingen daraus hervor, die die süddeutsche Kunstlandschaft des 19. Jahrhunderts nachhaltig prägten. Doch hatte diese Einrichtung ihre Vorgeschichte, die weit in das 18. Jahrhundert, noch vor die 1770 durch Kurfürst Maximilian III. Joseph (reg. 1745-1777) gegründete sogenannte "Zeichnungsschule" zurückreicht, die die Bezeichnung "Akademie" bereits im Namen trug ("Zeichnungs Schule respective Maler= und Bildhauer academie").

Am Anfang stand - wie im Falle vieler anderer Akademiegründungen auch - eine private Initiative. Seit 1766 trafen sich mehrere Münchner Künstler auf Anregung des Bildhauers Roman Anton Boos (1730-1810), des Stukkateurs Franz Xaver Feichtmayr (1752-1807) und des Malers Thomas Christian Wink (1738-1797) in den Abendstunden, um sich durch gemeinsames Zeichnen und Modellieren nach dem Akt in der Kunst fortzubilden. Versammlungsort war das Haus Feichtmayrs in der Althamgasse in München. 1769 konnte Feichtmayr die Räumlichkeiten nicht mehr zur Verfügung stellen, da er sie anderweitig benötigte.

Eine Bittschrift an den Kurfürsten verfehlte nicht ihre Wirkung. Am 7. März 1770 wurde das Hofzahlamt angewiesen, "einen jährlichen Fundus von 300 fl:" für die Zeichenschule bereitzuhalten. Auch die gewünschten Räumlichkeiten wurden den Künstlern zugesprochen: Ab Mai 1770 konnten sie sich im Gebäude der Akademie der Wissenschaften treffen, die seit 1759/60 im Obergeschoß des Mauthauses in der Hinteren Schwabinger Gasse (d. i. die heutige Theatinerstraße 11), einem Bau von François Cuvilliez, ansässig war. Aus einer privaten Initiative war eine kurfürstliche Institution geworden, die sich innerhalb weniger Jahre zu einer funktionsfähigen Akademie entwickelte, ohne die die wesentlich berühmtere Institution des 19. Jahrhunderts nicht denkbar gewesen wäre.