Meine-Schawe
Monika Meine-Schawe, München
Aus der Frühzeit der Münchner Akademie der bildenden Künste
Die Münchner Akademie der bildenden Künste gilt als späte
Gründung unter den deutschen Akademien. Nur die 1808 ins Leben gerufene
Institution hat ihren Platz im Bewusstsein der Öffentlichkeit. Es ist die
Akademie Johann Peter Langers (1756-1824) und Peter von Cornelius' (1783-1867).
Zahlreiche Künstlergrößen gingen daraus hervor, die die süddeutsche
Kunstlandschaft des 19. Jahrhunderts nachhaltig prägten. Doch hatte diese
Einrichtung ihre Vorgeschichte, die weit in das 18. Jahrhundert, noch vor die
1770 durch Kurfürst Maximilian III. Joseph (reg. 1745-1777) gegründete
sogenannte "Zeichnungsschule" zurückreicht, die die Bezeichnung
"Akademie" bereits im Namen trug ("Zeichnungs Schule respective
Maler= und Bildhauer academie").
Am Anfang stand - wie im Falle vieler anderer Akademiegründungen auch - eine private Initiative. Seit 1766 trafen sich mehrere Münchner Künstler auf Anregung des Bildhauers Roman Anton Boos (1730-1810), des Stukkateurs Franz Xaver Feichtmayr (1752-1807) und des Malers Thomas Christian Wink (1738-1797) in den Abendstunden, um sich durch gemeinsames Zeichnen und Modellieren nach dem Akt in der Kunst fortzubilden. Versammlungsort war das Haus Feichtmayrs in der Althamgasse in München. 1769 konnte Feichtmayr die Räumlichkeiten nicht mehr zur Verfügung stellen, da er sie anderweitig benötigte.
Eine Bittschrift an den Kurfürsten verfehlte nicht ihre Wirkung. Am 7. März 1770 wurde das Hofzahlamt angewiesen, "einen jährlichen Fundus von 300 fl:" für die Zeichenschule bereitzuhalten. Auch die gewünschten Räumlichkeiten wurden den Künstlern zugesprochen: Ab Mai 1770 konnten sie sich im Gebäude der Akademie der Wissenschaften treffen, die seit 1759/60 im Obergeschoß des Mauthauses in der Hinteren Schwabinger Gasse (d. i. die heutige Theatinerstraße 11), einem Bau von François Cuvilliez, ansässig war. Aus einer privaten Initiative war eine kurfürstliche Institution geworden, die sich innerhalb weniger Jahre zu einer funktionsfähigen Akademie entwickelte, ohne die die wesentlich berühmtere Institution des 19. Jahrhunderts nicht denkbar gewesen wäre.