Friedrich August Calau: Der Gendarmenmarkt mit dem alten Schauspielhause, um 1820, Aquatinta (Laurens und Thiele sculp.), Berlin bei L.W. Wittich, 17 x 12 cm Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Krellig

Heiner Krellig, Berlin

Die "Affäre Barbarina" durch venezianische Quellen neu gesehen. Zu den Porträts der Tänzerin von Antione Pesne und Rosalba Carriera


Die Tänzerin Barbara Campanini, genannt „La Barbarina“ ist auf dem Höhepunkt ihrer Karriere mindestens viermal für Angehörige des preußischen Hofes Friedrichs II. von dem Hofmaler Antoine Pesne porträtiert worden. Auch für Rosalba Carriera hat sie Modell gesessen. Berühmt geworden ist sie durch Auftritte in Paris, London und Dublin, ihr Nachruhm aber ist überdeckt von der „Affäre“, die sich um ihr Engagement für das Berliner Hoftheater entsponnen hatte: Friedrich II. hatte sie nach diplomatischer Intervention in Venedig, wohin Sie sich mit einem jungen Verehrer von hohem schottischen Adel begeben hatte, festsetzen und mit Eskorte nach Berlin bringen lassen. Dadurch ist ihre Lebensgeschichte zu einer anekdotische Kuriosität der preußischen Geschichte geworden, was ihr die nicht unzweifelhafte Ehre verschafft hat, Hauptfigur mehrerer trivialer Romane, eines Filmes und einer Oper zu werden.

Um sich der Persönlichkeit der Porträtierten wieder anzunähern, ist es nötig, die Überlagerungen von Halbwahrheiten und anekdotenhaften Verschiebungen zur Seite zu räumen und das in Venedig und Berlin verwahrte, umfangreiche Quellenmaterial zu der Affäre einer neuen Sichtung zu unterziehen. Danach zeigt sich die Porträtierte – ganz im Gegensatz zu dem verbreiteten Bild von der ruhmsüchtigen, geldgierigen, launenhaft-capriziösen Italienerin, die sich zuerst durch Flucht und durchsichtige Manöver der Erfüllung gegebener Zusagen entziehen will und dann eine großartige Liebe opfert, um die "Geliebte Friedrichs des Großen" zu werden – nicht nur als Opfer einer regelrechten Männerintrige, sondern als zielgerichtete Frau, die in der Lage und bereit war, selbstbewusst ihre eigenen Interessen gegenüber den Ansprüchen des preußischen Königs zu vertreten.