Hecht
Michael Hecht (Münster)
Trojaner – Askanier – Germanen. Die Fürsten von Anhalt und die dynastische Erinnerung in der Frühen Neuzeit
Die Fürsten von Anhalt gehörten am Ausgang des Mittelalters
zu den mindermächtigen und in ihrem reichsunmittelbaren Rang gefährdeten
mitteldeutschen Adelsgeschlechtern, die im Schatten der hegemonialen Nachbarn
standen. Die Stabilisierung der Rangposition und ein Aufschwung im
herrschaftlichen Selbstverständnis der Anhaltiner während des 16. Jahrhunderts
waren eng verbunden mit einer neu geschaffenen dynastischen Erinnerung. Durch
die geschickte Rezeption humanistischer und reformatorischer
Vergangenheitskonzeptionen behaupteten die Geschichtsschreiber im Umfeld der
Fürsten ein außergewöhnliches Alter der Dynastie und konstruierten ein
Geschlecht der Askanier, dessen Bedeutungszuschreibung über mehrere
Jahrhunderte erhalten blieb. Der Vortrag geht nicht nur der historiographischen
Erinnerungsstiftung nach, sondern verweist auch auf die Übernahme dieses
Gedächtnisprogramms in anderen Formen dynastischer Repräsentation, vor allem im
Schlossbau und der Heraldik.
Gemeinsame Veranstaltung des Arbeitskreises und der Arbeitsgruppe "Politische Selbstrepräsentation und Ideologiebildung unter Bezug auf die Antike" im SFB 644 "Transformationen der Antike".