Friedrich August Calau: Der Gendarmenmarkt mit dem alten Schauspielhause, um 1820, Aquatinta (Laurens und Thiele sculp.), Berlin bei L.W. Wittich, 17 x 12 cm Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Hecht

Michael Hecht (Münster)

Trojaner – Askanier – Germanen. Die Fürsten von Anhalt und die dynastische Erinnerung in der Frühen Neuzeit


Die Fürsten von Anhalt gehörten am Ausgang des Mittelalters zu den mindermächtigen und in ihrem reichsunmittelbaren Rang gefährdeten mitteldeutschen Adelsgeschlechtern, die im Schatten der hegemonialen Nachbarn standen. Die Stabilisierung der Rangposition und ein Aufschwung im herrschaftlichen Selbstverständnis der Anhaltiner während des 16. Jahrhunderts waren eng verbunden mit einer neu geschaffenen dynastischen Erinnerung. Durch die geschickte Rezeption humanistischer und reformatorischer Vergangenheitskonzeptionen behaupteten die Geschichtsschreiber im Umfeld der Fürsten ein außergewöhnliches Alter der Dynastie und konstruierten ein Geschlecht der Askanier, dessen Bedeutungszuschreibung über mehrere Jahrhunderte erhalten blieb. Der Vortrag geht nicht nur der historiographischen Erinnerungsstiftung nach, sondern verweist auch auf die Übernahme dieses Gedächtnisprogramms in anderen Formen dynastischer Repräsentation, vor allem im Schlossbau und der Heraldik.

Gemeinsame Veranstaltung des Arbeitskreises und der Arbeitsgruppe "Politische Selbstrepräsentation und Ideologiebildung unter Bezug auf die Antike" im SFB 644 "Transformationen der Antike".