Pöschk
Torsten Pöschk, Berlin
Versailles in Mecklenburg? Machtkonflikte und repräsentative Architektur im 18. Jahrhundert
Die Entwicklung Mecklenburgs war vom Ende des 30jährigen
Krieges bis zur Revolution im Jahre 1918 durch die politische Macht des Adels
und feudale Strukturen in der Wirtschaft bestimmt. Vor allem im 18. Jahrhundert
entstand hier eine große Zahl repräsentativer Adelsresidenzen und Gutsanlagen
mit dazugehörigen Höfen und Gärten. Trotz der große Anzahl und der Bedeutung
dieser Anlagen für die Kulturgeschichte Mecklenburgs gibt es kaum
wissenschaftliche Untersuchungen zu deren Entstehung und Entwicklung.
Dort wo die Architektur zusammenfassend oder an Einzelbeispielen beschrieben ist, wurde ihre Entwicklung mit gesamteuropäischen Erscheinungen gleichgesetzt. Die französische „Leitkultur“ und deren bauliches Symbol Versailles waren demnach auch für die mecklenburgische Repräsentationsarchitektur unmittelbares Vorbild.
Bedingt durch den innermecklenburgischen Kampf zwischen Adel und Landesherren um wirtschaftliche und politische Macht und dessen Verknüpfung mit gesamteuropäischen Interessenskonflikten war die Entwicklung der repräsentativen Architektur vor allem im Teilstaat Mecklenburg- Schwerin besonderen Rahmenbedingungen unterworfen, die von denen der umliegenden Staaten zu unterscheiden sind.
Am Beispiel der der Architektur des ritterlichen Standes soll aufgezeigt werden, wie die Konflikte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts das Baugeschehen in Quantität und Qualität unmittelbar beeinflußt haben und zu einer gesonderten Entwicklung führten, die sich nur schwer in allgemeine europäische Tendenzen einordnen läßt.