Friedrich August Calau: Der Gendarmenmarkt mit dem alten Schauspielhause, um 1820, Aquatinta (Laurens und Thiele sculp.), Berlin bei L.W. Wittich, 17 x 12 cm Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Lacher

Reimar Lacher, Berlin

Der Berliner Weitsch

Häufig unterliegen Angehörige einer Künstlerfamilie Verwechslungen, oft auch gerät ein weniger berühmter Träger eines Namens über einen anderen in Vergessenheit. So ist Friedrich Georg Weitsch in seiner Heimat Braunschweig oft schlicht vergessen worden. Was als Werk eines Weitsch kursierte, wurde bedenkenlos als Arbeit des Vaters, des Landschafts- und Porzellanmalers Pascha Johann Friedrich‚ des ‚Braunschweiger Weitsch’ angesehen. Doch soll der Titel ‚der Berliner Weitsch’ nicht nur der Profilierung gegenüber dem Vater dienen. Er entspricht ferner dem Umstand, daß dem Künstler in der zweiten Hälfte seines Lebens in Berlin eine Karriere gelang, die in vieler Hinsicht bezeichnend war für die hiesigen Kunstverhältnisse. Der Titel kommt dem Künstler außerdem aufgrund seiner Wirkung zu; seit seinem ersten Besuch im Jahr 1795 war Weitsch jahrelang einer der tonangebenden Maler Berlins.

Der Vortrag, der auf einer Dissertation mit Werkverzeichnis basiert, die derzeit gedruckt wird, will darstellen, wie das aufblühende Kunstleben Berlins mit der Akademie als Zentrum einen Künstler anziehen konnte. Mit Weitsch wird der Künstlertypus des beamteten Künstler, dessen Schaffen getreu dem Akademiegedanken ausdrücklich im Dienst des Gemeinwohls steht, vorgestellt. Anhaltender Anerkennung erfreute sich Weitsch stets als Bildnismaler, als Porträtist etwa eines Alexander von Humboldt. Die Erörterung seiner hochstehender Porträtkunst soll in diesem Vortrag von einem Überblick über Weitschs übriges, alle herkömmlichen Bildgattungen und ferner die Beschäftigung mit dem Denkmalsgedanken sowie die Kunstkennerschaft umfassendes Werk ergänzt werden.