Friedrich August Calau: Der Gendarmenmarkt mit dem alten Schauspielhause, um 1820, Aquatinta (Laurens und Thiele sculp.), Berlin bei L.W. Wittich, 17 x 12 cm Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Jooss

Birgit Jooss, Akademie der Künste München

Lebende Bilder und Attitüden - performative Praktiken um 1800

Die Formierung des menschlichen Körpers zum Bild innerhalb des theatralen Kontextes hat eine lange Tradition. Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts lassen sich "Aufführungen" von bildender Kunst nachweisen.
Lebende Bilder - die körperliche Umsetzung von Gemälden und Stichen in stumme und unbewegliche Personengruppen - aber auch Attitüden - die Darstellung von Antiken, Affekten und Kunststilen durch eine Person - stehen zwischen bildender und darstellender Kunst. Sie sind in engem Zusammenhang mit den Theaterreformen des 18. Jahrhunderts oder dem Wiederaufleben des Pygmalionmythos zu sehen und werfen Fragen nach dem Phänomen Zeit in der Kunst, der Grenzüberschreitung von Kunst und Leben oder der pygmalionischen Rolle des Betrachters auf.