Jooss
Birgit Jooss, Akademie der Künste München
Lebende Bilder und Attitüden - performative Praktiken um 1800
Die
Formierung des menschlichen Körpers zum Bild innerhalb des theatralen
Kontextes hat eine lange Tradition. Seit der zweiten Hälfte des 18.
Jahrhunderts lassen sich "Aufführungen" von bildender Kunst nachweisen.
Lebende Bilder - die körperliche Umsetzung von Gemälden und Stichen in
stumme und unbewegliche Personengruppen - aber auch Attitüden - die
Darstellung von Antiken, Affekten und Kunststilen durch eine Person -
stehen zwischen bildender und darstellender Kunst. Sie sind in engem
Zusammenhang mit den Theaterreformen des 18. Jahrhunderts oder dem
Wiederaufleben des Pygmalionmythos zu sehen und werfen Fragen nach dem
Phänomen Zeit in der Kunst, der Grenzüberschreitung von Kunst und Leben
oder der pygmalionischen Rolle des Betrachters auf.