Friedrich August Calau: Der Gendarmenmarkt mit dem alten Schauspielhause, um 1820, Aquatinta (Laurens und Thiele sculp.), Berlin bei L.W. Wittich, 17 x 12 cm Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Frank Martin

"Die Akademie als kulturpolitisches Instrument – Tendenzen römischer Skulptur nach Bernini"

Die römische Skulptur des ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts lässt zwar noch die von Gianlorenzo Bernini geprägten Vorbilder erkennen, bereitet aber gleichzeitig dem Neoklassizismus den Boden, wie er von Antonio Canova konsequent und fulminant eingeläutet wird.

In dieser Übergangszeit ist Camillo Rusconi die Schlüsselfigur schlechthin. Die von dem gebürtigen Mailänder in die römische Skulptur eingebrachten neuen Impulse werden von Carlo Maratti und Clemens XI. gleichermaßen erkannt und gefördert. Maratti setzt mit Rusconi endlich auch in der Skulptur jenen Klassizismus Bologneser Prägung durch, der in der Malerei längst schon wieder die Oberhand gewonnen hatte. Clemens XI. sieht Rusconi in der Tradition jener Bildhauergrößen, die mit Blick auf die antike Tradition Rom zum Zentrum der Skulptur hatten werden lassen. Rusconi zu fördern heißt für Clemens XI. deshalb auch, der eigenen Kulturpolitik Vorschub zu leisten.