Cornelia Jöchner
"Städtebau als Raumbau. Grenze und Öffnung im frühmodernen Turin"
Das 18. Jahrhundert gilt in bezug auf die Stadt als eine wichtige Zäsur: die Befestigung als ihre bisherige Grenze steht zur Disposition und wird in einem längeren Prozeß aufgegeben. Wenn sich so das Verhältnis von Stadt und Land grundlegend ändert, ist dies nicht nur eine Frage neuartiger militärischer Technologien. Vielmehr bezieht die zweckmäßig erscheinende Entfestigung die Stadt in anderer Weise auf das Territorium als größeren politischen Raum. Eine kunsthistorische Analyse der Öffnung der Stadt muß sich mit dem Aufbau tatsächlicher und symbolischer Räume beschäftigen. Dabei ist der Benutzer der Stadt als Subjekt von Architektur methodisch zu berücksichtigen. Am Beispiel der savoyischen Residenzstadt Turin soll gezeigt werden, welche Ensembles am Rande der Stadt neue Räume ausbilden, die Grenze und Öffnung der Stadt thematisieren und dabei auf einen unterschiedlichen Vollzug angelegt sind.