Friedrich August Calau: Der Gendarmenmarkt mit dem alten Schauspielhause, um 1820, Aquatinta (Laurens und Thiele sculp.), Berlin bei L.W. Wittich, 17 x 12 cm Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Dönike

Martin Dönike, Berlin

Vom Erwachsenwerden eines "vernünftigen Kindskopfs" - Der Maler Friedrich Bury im Spiegel seiner Briefe aus Italien 1788-1798

Unter den "Künstlerburschen", mit denen Goethe in den Jahren 1786-88 in Rom zusammenlebte, dürfte der Maler Johann Friedrich Bury heute nur mehr wenigen Spezialisten bekannt sein: Während der Name des späterhin gefragten Porträtmalers in kunstgeschichtlichen Untersuchungen allenfalls noch am Rande auftaucht, kennt die Germanistik ihn lediglich als eine der zahlreichen Staffagefiguren aus Goethes Italienischer Reise. In Vergessenheit geraten ist dabei jedoch eine individuelle Künstlerpersönlichkeit, in deren Werk sich die komplexen und zum Teil widersprüchlichen künstlerischen Strömungen der Zeit in eigentümlicher Weise vereint finden. Aus der für den Maler Bury prägenden italienischen Zeit hat sich eine Reihe von Briefen erhalten, die er in den Jahren zwischen 1788 und 1798 nach Weimar geschrieben hat und die im Zentrum des Vortrags stehen sollen. Sie geben nicht nur einen lebhaften Einblick in das römische Kunstleben der 1790er Jahre, sondern erlauben auch, sozusagen aus nächster Nähe die allmähliche ,Geburt der Romantik aus dem Geist des Klassizismus' zu verfolgen.